Eine Zensur findet nicht statt. Außer beim Film.

§173 St.G.B. Blutschande. Ein Paragraphenfilm und die Zensur

Filmwissenschaft

Am 16. Oktober 1929 hatte ein Film Premiere, der heute in Vergessenheit geraten ist: §173 ST.G.B. BLUTSCHANDE. Der Film war kurz zuvor von der Berliner Prüfstelle für ein erwachsenes Publikum freigegeben worden. Doch nur wenige Wochen nach der Premiere in Berlin intervenierten die bayrischen Landesbehörden und beantragten bei der reichsweiten Ober?prüfstelle, die Zulassung des Films zu widerrufen. Was nun folgte, kann als ein typisches Zensurverfahren der Weimarer Zeit gelten: Innerhalb von knapp zwei Monaten gelangte die Oberprüfstelle zu einer Entscheidung, die auch von den Ländern nicht weiter angefochten wurde: Dem Film wurden einige Schnittauflagen auferlegt, in seiner Gänze wurde er jedoch nicht verboten. Die Weimarer Zensur hatte ihre Funktion als Vermittlungs?instanz erfüllt.

Die Zielsetzung des folgenden Beitrages ist eine zweifache: Zum einen soll mit Hilfe einer rhetorischen Analyse des Films untersucht werden, wie das Message Picture §173 St.G.B. Blutschande vorgeht. Welche Argumente präsentiert der Film und wie setzt er sie filmisch um? Zum anderen soll anhand dieses Fallbeispieles die Funktionsweise des Weimarer Zensursys?tems und die damit verbundenen Diskurse näher erläutert werden. Welche Argumente präsentiert die Zensur gegen den Film? Was wird kritisiert? Und was nicht?

Zitation: Kulle, Daniel (2009): "§173 St.G.B. Blutschande. Ein Paragraphenfilm und die Zensur". In: Hans-Peter Becht, Carsten Kretschmann, Wolfram Pyta (Hg.): Politik, Kommunikation und Kultur in der Weimarer Republik, Pforzheimer Gespräche zur Sozial-, Wirtschafts- und Stadtgeschichte. Bd. 4. Pforzheim: Verlag für Regionalkultur, 71-87.

Gesamten Artikel kostenlos herunterladen
  • Pforzheimer Gespräche zur Sozial-, Wirtschafts- und Stadtgeschichte
  • 2009