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Film und Raum

Bachelor-Seminar

Das Seminar Film und Raum bietet anhand wichtiger theoretischer Modelle und Ansätze eine Einführung in das komplexe Thema des filmischen Raumes. Gleichzeitig verschafft der Kurs einen Einblick in die wichtigsten Handwerkstechniken (film-)theoretischen Arbeitens: den Umgang mit oftmals komplizierten Texten, Abstraktionsvermögen und analytisches Denken und nicht zuletzt natürlich auch die Anwendung theoretischer Modelle auf Beispiele aus der Filmgeschichte.

Film ist von Beginn an ein Medium, dass konstruktiv mit Raumstrukturen umgeht: Aus der zweidimensionalen Leinwand wird im Kopf der Zuschauerin eine quasi dreidimensionale, diegetische Welt. Film ist, mit den Worten des russischen Filmtheoretikers Kulešov „kreative Geografie“. Denn Film ist nicht einfach eine Kopie eines vorfilmischen Raumes: Die Leinwand bleibt stets ein begrenzter Ausschnitt; die Montage geht kreativ und frei mit dem um, was ihr als Ausgangsmaterial zur Verfügung steht. Film kennzeichnet also vielmehr ein komplexes Verhältnis zwischen Abbildung, Bedeutung und Ästhetik.

Im ersten Teil des Kurses lernen Sie filmanalytische Methoden und Konzepte wie das Continuity-System, das Verhältnis von Bildtiefe und –fläche, das Problem des Off-Raums oder das der Blickstrukturen kennen. Im zweiten Teil werden narratologische Konzepte stärker in den Mittelpunkt rücken: Wie können Räume Bedeutung erlangen? Welche Rolle können Räume im Gesamtkonzept einer Erzählung übernehmen? Wie verbinden sich Räume zu einer diegetischen Gesamtheit (oder scheitern daran)? Das Seminar ist in erster Linie ein filmtheoretisches Seminar. Allgemeinere medientheoretische Ansätze, wie sie seit dem spatial turn in den letzten vierzig Jahren entwickelt wurden, werden jedoch an einigen Stellen mit einfließen können, beispielsweise etwa Foucaults Konzept der Heterotopien oder der Space/Place-Ansatz.

Einstiegsliteratur

Bordwell, David (1997): Modelle der Rauminszenierung im zeitgenössischen europäischen Kino. In: Andreas Rost, Hrsg.: Zeit, Schnitt, Raum. Frankfurt/M.: Verlag der Autoren, 17-42

Burch, Noël (1973): Nana, or the Two Kinds of Space. In: ders.: Theory of Film Practice. London: Secher & Warburg, 17-31

Gardies, André (2002): L'espace a travers champ. In: Susanne Dürr, Almut Steinlein, Hrsg.: Der Raum im Film. L'espace dans le film. Frankfurt/M.: Peter Lang, 25-32

Goliot-Lété, Anne (2002): A travers le film et ses espaces. In: Susanne Dürr, Almut Steinlein, Hrsg.: Der Raum im Film. L'espace dans le film. Frankfurt/M.: Peter Lang, 13-23

Heath, Stephen (1976): Narrative Space. Screen 17,3, 68-112

Curriculum

17.4.09: Einführung

24.4.09: Grundbegriffe der Filmanalyse

8.5.09: Die Tiefe des Raums

15.5.09: Fläche und Abstraktion

22.5.09: Point of View

29.5.09: Cadre und Offraum

12.6.09: Lotmans Raummodell der Erzählung und die Semantik von Räumen

19.6.09: Heterotopien

26.6.09: (Hetero-)Diegetische Welten

3.7.09: Fantastische Welten

10.7.09: Space/Place

17.7.09: Beispielanalyse GEnre

24.7.09: Abschlusssitzung