Kann man den Moment einer Bewegung erfassen?

Deanimation. Das Bewegungsbild zwischen Chronofotografie und Videoscratching

Vortrag

In seinen Experimentalfilmen Pièce touchée (1989), Passage à l’acte (1993) und Alone. Life Wastes Andy Hardy (1998) montiert der österreichische Künstler Martin Arnold alte Hollywood-Filme in einen kurzen Loop, um so eine radikale Reinterpretation einer einfachen Sequenz vorzuschlagen. Der Loop vergrößert zuvor ungesehene Details, Gesten und Bewegungen und legt versteckte ideologische Muster und patriarchale Beziehungen frei. Vor allem aber führt der sich nur über wenige Frames erstreckende Loop zu einem künstlerischen Nachdenken über das Phänomen der filmischen Bewegung und der Animation. Die Filme versuchen, die Bewegung zu analysieren, zu intensivieren und zu vergrößern, ohne sie dabei zum Stillstand zu bringen und so das filmische Moment selbst zu zerstören. Auch andere Wissenschaftler und Künstler haben sich medial mit dieser gerade für die Animationsforschung zentralen medienontologischen Frage beschäftigt, von der Chronofotografie des späten 19. Jahrhunderts bis hin zu den Destruktionskunstwerken etwa von Raphael Montañes Ortiz. Der Vortrag will diese filmtheoretische Reflexionen über das Bewegungsbild in einen Zusammenhang bringen und so die Beziehung zwischen dem einzelnen Frame und dem Bewegungsbild theoretisch neu fassen.

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Kulle, Daniel (2012) - DeAnimation. Das Bewegungsbild zwischen Chronofotografie und Videoscratching. Vortrag auf der Tagung der AG Animation der GfM In Bewegung setzen..., Hamburg, 15.11.2012..