Was bewegt uns, wenn wir eine Bewegung beobachten?

Dispositive der Bewegung

Vortrag

Kinematografische Action ist Bewegung, und Actionfilme bewegen nicht nur die Körper ihrer Darsteller und Darstellerinnen, sondern auch die der Zuschauer im Kinosaal. Besonders im Genre des Actionfilms ist daher die somatische Einfühlung als Rezeptionsparadigma für die Bewegung im Film herausgestellt worden. Demgegenüber werden in der theoretischen Debatte statische Repräsentationsstrukturen, universelle psychoanalytische Begierden oder dynamische, von Mächten und subversiven Kräften durchzogene Diskurse und Körperdispositive aufgeführt. Auf den ersten Blick stehen hier also zwei unterschiedliche Konzepte, die des phänomenologischen oder materiellen Leibs und die des diskursiven Körpers gegenüber, die sich im Kontext des Films als zwei scheinbar distinkte Wahrnehmungsdispositive formieren.

Am Beispiel der Wahrnehmung von Bewegung im Actionfilm stellt der Vortrag verschiedene Konzeptionen von Leib/Körper vor und untersucht die damit einhergehenden Rezeptionsweisen. Die vermeintliche Inkommensurabilität beider Wahrnehmungsdispositive erweist sich dabei auf den näheren Blick als komplexes Wechselspiel. Zu beobachten sind vielmehr Interaktionen, Konfrontationen, Spannungen oder Kippbewegungen zwischen leiblichen und diskursiven Aspekten von Wahrnehmung, die nicht zuletzt auch ein neues Licht auf die Eigenheiten des Erfahrungsraum Kinos und seiner körperlichen/leiblichen Dimensionen werfen.

Zitation: Kulle, Daniel (2012) - «Dispositive der Bewegung». Vortrag auf der Jahreskonferenz der GfM, Frankfurt/M., 6.10.2012.