Schneiden & Kleben

Found Footage

Filmprogramm

 

Found Footage - das ist die Filmkunst in der Postproduktion. Auf den Boden des Schneideraums gefallene Filmschnipsel, ausgesonderte Kopien, die auf dem Müll landen oder Fundstücke vom Flohmarkt werden bearbeitet, manipuliert und neu montiert.

Was dabei entsteht, ist ein analytischer Blick auf das Medium Kino: Found-Footage-Filme rekapitulieren die Mediengeschichte des Kinos. Denn mit ihrer ironischer Distanz betrachten sie das Herkunftsmaterial und schreiben ihre eigene, künstlerische Filmgeschichte. Sie sind stets auch Materialfilme und erinnern uns daran, dass Filmen schon von ihrer Materialität her eine eigene Ästhetik eigen ist. Und nicht zuletzt betreiben sie eine fundamentale Ideologiekritik, indem sie die unsichtbaren Bedeutungen und Verhältnisse hinter den Bildern offenbar werden lassen.

Die Anfänge dieses experimentellen Genre findet man in den Assemblagen und Collagen der Avantgarde-Kunst, aber auch in den Versuchen der ersten Dokumentarfilmer, historisches Bildmaterial in eigenen Filmen zu kompilieren und so einen ganz anderen, einen bildlichen Zugang zur Geschichte zu schaffen. Und bis heute hat der Found-Footage-Film nichts von seiner Faszination verloren. Im Gegenteil: Im Zeitalter des digitalen Kopierens sind die Fragen, die der Found-Footage-Film aufwirft, aktueller denn je.

In unserem Filmprogramm stellen wir uns daher die Frage nach der Bedeutung, die der Found Footage auch heute noch hat. Ein Blick in die Geschichte des Experimentalfilms ist dabei ebenso wichtig wie einer auf das aktuelle künstlerische Schaffen. Mit Filmen von Joseph Cornell, Matthias Müller, Christoph Girardet, Nicolas Provost, Karsten Wiesel, Karsten Krause und vielen mehr.

 

Programm

Cut (Matthias Müller & Christoph Girardet, D 2013) - 13min

Happy End (Peter Tscherkassky, A 1996) - 11min

Home Stories (Matthias Müller, D 1990) - 6min

Rose Hobart (Joseph Cornell, USA 1936) - 19min

You and Me (Karsten Krause, D 2009) - 4min

Die neue Zeit (Karsten Wiesel, D 2006) - 2min

Epistrofi stin odo Aiolou (Maria Kourkouta, F 2013) - 14min

Miezen (Carsten Knoop, D 1991) - 3min

Long Live the New Flesh (Nicolas Provost, 2009) - 14min