In deiner Haut

Science Fiction | Queer Cinema

Sonderlich erfolgreich ist Max in der Überwachungsgesellschaft der Zukunft nicht. Zum Ausgleich schafft er sich eine virtuelle Welt und mit ihr einen digitalen Märchenprinzen, auf den er all seine schwulen Sehnsüchte projizieren kann. Doch dummerweise hat Max seinen Traummann nach seinem Arbeitskollegen Ken modelliert. Als der dies mitbekommt, schlüpft er empört, aber auch fasziniert in die digitale Hülle seines Doppelgängers und versucht, Max aus seiner Haut zu locken.

In unserem Kurzfilm erzählen wir die ungewöhnliche Liebesgeschichte von Max und Ken. „In deiner Haut“ ist ein queerer, experimenteller Kurzspielfilm von 20 Minuten, weniger Science-Fiction als ein surrealistisches Märchen über den Körper und seine Grenzen im postdigitalen Zeitalter. Bezugspunkt sind dabei vor allem experimentellere Formen des Filmemachens: Der Körper im digitalen Zeitalter ist, so sieht es „In deiner Haut“, nicht einfach verschwunden oder transzendiert. Er bleibt mit all seiner Schwere, Materialität und Verletzlichkeit, nun aber durchwoben von und vernetzt mit einem digitalen Äußeren, das mal als befreiend, mal als bedrohlich daherkommt.

Mit unserem Filmprojekt sprechen wir natürlich die schwule Community an. Aber auch darüber hinaus ist der Film für all diejenigen interessant, die sich mit digitaler oder postdigitaler Ästhetik auseinandersetzen oder die sich für das Thema virtueller Welten begeistern. Und letztendlich spricht unser Film eine ganz grundsätzliche Stimmung an, sich nicht wohl in seiner Haut zu fühlen, die jeder von uns, egal ob homo oder hetero, nur zu gut kennt. Oder wie es unser Hauptdarsteller Gioele so schön gesagt hat: "Dieses Gefühl des eingesperrt Seins, dieses kurz vor der Explosion stehen". Oder bei Björk: "I'm gonna explode my body!"

Mit unserem Film wollen wir einen Beitrag zum queeren Filmschaffen leisten, der über die üblichen Coming-of-age/Coming-out-/Liebesgeschichten hinausgeht. Die sind zwar schön, und wir gucken sie uns auch immer gerne an. Aber für unseren Film wollen wir mehr. Denn der Körper ist im digitalen Zeitalter längst großen Verwerfungen unterlegen: er wird vermessen und optimiert, ist überall sichtbar und auf eine radikale Vermarktbarkeit hin getrimmt. Das ist ein Thema, das in der Filmwelt meist nur in konventionellen Formen erzählt wurde. Die Kunstwelt ist hier schon viel aktiver. Wir wollen beide Welten vereinen und im Film "In deiner Haut" eine mitreißende Geschichte mit künstlerischen Mitteln erzählen.

Festival Screenings:

t.b.a.

Länge: 28min

  • Juli 2016